Donnerstag, 2. August 2018

Das Dunkle zwischen den Sternen.

 aus derStandard.at, 1. August 2018, 11:00                                      Dunkle Molekülwolken im Sternbild Schlangenträger (Serpentarius).

Über die dunklen Bereiche des Nachthimmels
Wir blicken immer nur auf die Sterne, die hellen Punkte am Himmel – doch die dunklen Bereiche dazwischen sind viel wichtiger für die Galaxie, als sie erahnen lassen

von Roland Wester

Wenn ich in einer klaren Nacht zu Fuß unterwegs bin, schaue ich gerne in den Himmel und suche nach den Sternen. Viele sieht man ja nicht mehr, seit unsere Städte und Dörfer durch die umfassende Beleuchtung so hell geworden sind. Manchmal ist in den Sternen dann trotzdem ein bekanntes Sternbild zu erkennen. Was man aber nie sehen kann sind die dunklen Bereiche des Nachthimmels, Bereiche, die nicht leuchten, weil sie im Gegensatz zu den Sternen dafür nicht heiß genug sind. Dabei gibt es in unserer Milchstraße viele dunkle Gaswolken, die sogar das Licht der dahinterliegenden Sterne verschlucken können. Diese Wolken füllen den Raum zwischen den Sternen teilweise aus. Sie bestehen aus Gas und Staub und sind für die Geschichte und die weitere Entwicklung unserer Milchstraße enorm wichtig. Denn solche Wolken existieren nicht ewig sondern fallen irgendwann in sich zusammen, werden dabei heiß und bilden neue Sterne. Sie sind quasi die Geburtsstätten der Sterne in unserer Milchstraße.

Solche Gas- und Staubwolken nehmen am Nachthimmel viel Platz ein, sie sind viel größer als der Vollmond, nur eben dunkel und daher mit bloßem Auge nicht zu sehen. Um diese Wolken sehen zu können, braucht man Licht ganz anderer Art. Mikrowellen strahlen diese Wolken nämlich sehr stark ab, daher können sie mit Radioteleskopen beobachtet werden. Die genaue Wellenlänge der Mikrowelle gibt dabei Aufschluss über die Art des Gases, das diese Mikrowelle in der dunklen Wolke abgestrahlt und auf den Weg zum Teleskop geschickt hat. Auf diese Weise konnten schon viele Molekülverbindungen in den dunklen Wolken unserer Milchstraße entdeckt werden. Sehr häufig findet man Kohlenmonoxid, das auf der Erde wegen seiner Giftigkeit gefürchtet ist, auch Methyl-Alkohol gibt es im Weltraum oder sogar einfache Aminosäuren, die auf der Erde Bestandteile von Proteinen sind. Das auf der Erde so wichtige Wasser findet sich auch, allerdings brauchte es zu seiner Entdeckung die neueste Teleskop-Generation, da unsere Atmosphäre so viel Wasserdampf enthält, dass die interstellaren Signale davon leicht überdeckt werden. 

Suche nach geladenen Molekülen

Die Krux bei allen astronomischen Untersuchungen ist aber, dass zur Identifizierung eines Moleküls mit einem Radioteleskop sein sogenannter spektraler Fingerabdruck bereits bekannt sein muss. Dazu braucht es präzise Untersuchungen auf der Erde, genauer gesagt in einem physikalischen Labor. Und das ist es, wo mich meine Füße über Tage hin tragen, denn in meiner Arbeitsgruppe untersuchen wir geladene Moleküle, die in interstellaren Molekülwolken vorkommen oder vorkommen könnten. Dazu speichern wir solche Moleküle in einer Ionenfalle ein, um sie dann frei von Störungen mit der Umgebung untersuchen zu können. Diese Ionenfalle wird in einer Vakuumapparatur betrieben und auf Temperaturen von wenigen Grad über dem absoluten Nullpunkt abgekühlt. So können wir die Bedingungen im interstellaren Raum sehr gut nachstellen. Zum Beispiel konnten wir in den letzten Jahren die Stabilität von negativ geladenen Molekülen unter Bestrahlung mit ultraviolettem Licht untersuchen und wir konnten herausfinden, ob sie chemische Reaktionen mit Wasserstoff eingehen. 

Radiofrequenz-Ionenfalle

Bei unseren Forschungen ist uns eine Publikation von Kollegen aus der Astrophysik aufgefallen, die mit dem Herschel-Weltraumteleskop nach Stickstoff-Verbindungen in dunklen Wolken gesucht hatten. Darin ging es auch um die mögliche Beobachtung eines bis dato nicht entdeckten negativen Ions, des Amid-Anions. Dieses Ion besteht aus einem Stickstoff-Atom und zwei Wasserstoff-Atomen. Es hat die gleiche Struktur wie das Wasser-Molekül und verhält sich quantenmechanisch auch sehr ähnlich. Da es keine präzisen Labordaten zum Amid-Anion gab, haben wir uns an die Arbeit gemacht, um die charakteristischen Frequenzen zu messen, bei denen dieses Molekül Strahlung emittieren kann. Der interessante Frequenzbereich liegt in diesem Fall im Bereich der Terahertzwellen, der sich zwischen den Mikrowellen und der Infrarotstrahlung befindet, und experimentell nur schwer zugänglich ist. Für unsere Experimente haben wir eine in meiner Arbeitsgruppe entwickelte Methode verwendet, bei der wir die Wechselwirkung der gefangenen Ionen mit den Terahertzstrahlen mit Hilfe eines weiteren Laserstrahls messbar machen konnten.

Nach vielen Wochen der Suche konnten wir schließlich zwei bisher unbekannte Frequenzen des Amid-Anions zum ersten Mal direkt messen und dabei ihre Position hundertfach genauer bestimmen als es davor möglich war. Im Vergleich mit den Messdaten des Herschel-Weltraumteleskops haben wir dann herausgefunden, dass die interstellare Spektrallinie nicht von Amid-Ionen stammen konnte. Welches Molekül in der dunklen Wolke dafür verantwortlich ist, wissen wir damit immer noch nicht. Dies ist aber nicht das einzige Rätsel, das uns die dunklen Wolken im Universum noch aufgeben. Neben den unbekannten Molekülen, gibt es auch viele Fragen zu den bereits beobachteten Molekülen, von denen manche häufiger und manche seltener vorkommen, als wir es uns zur Zeit erklären können. Es bleibt also noch viel Raum zum Nachdenken, wenn man des Nachts in die dunklen Bereiche des Nachthimmels schaut. 

Roland Wester ist Universitätsprofessor für Experimentalphysik am Institut für Ionenphysik und Angewandte Physik der Universität Innsbruck. Die beschriebenen Experimente hat er im Rahmen eines ERC Starting Grants durchgeführt, der ihm 2011 verliehen wurde. 2013 wurde er zum Mitglied der Jungen Akademie der ÖAW gewählt, seit 2017 ist er Fellow der American Physical Society. Links Arbeitsgruppe Molekulare Systeme am Institut für Ionenphysik der Universität Innsbruck Junge Akademie der ÖAW (2008 als Junge Kurie im Rahmen der Modernisierung der ÖAW konstituiert, 2016 Umbenennung in Junge Akademie / Young Academy); Video; Twitter: @ya_oeaw - derstandard.at/2000084465531/Ueber-die-dunklen-Bereiche-des-Nachthimmels

Freitag, 27. Juli 2018

Zählen in der Steinzeit.

Diese Reihen von Ritzspuren auf einer 35.000 bis 30.000 Jahre alten Mammutrippe könnten steinzeitliche Zählmarken sein - aber wofür?
aus scinexx                                            Reihen von Ritzspuren auf einer 35.000 bis 30.000 Jahre alten Mammutrippe

Steinzeit-Fund gibt Rätsel auf
Schwäbische Alb: Ritzreihen auf einer Mammutrippe ähneln Zählmarken – aber wofür? 

Kalender, Spielstände oder rituelles Muster? In einer Höhle der Schwäbischen Alb haben Forscher eine Mammutrippe entdeckt, die ihnen Rätsel aufgibt. Denn der gut 30.000 Jahre alte Fund trägt Reihen von Ritzungen, die von Steinzeitmenschen stammen müssen. Das Muster der Ritzmarken spricht dafür, dass mit ihnen etwas gezählt wurde – aber was? Noch ist unklar, ob es sich bei diesem Fund um einen Steinzeit-Kalender, um Spielstände oder Notizen zu bestimmten Tätigkeiten handelte.

Die Höhlen der Schwäbischen Alb waren bereits vor 40.000 Jahren wichtige Rückzugsorte für unsere Vorfahren. Davon zeugen einzigartige Funde aus der Altsteinzeit, darunter die Venus vom Hohle Fels, die älteste Menschenfigur der Welt. Aber auch kunstvolle Tierfiguren und FlötenVogelknochen wurden in den inzwischen zum UNESCO-Welterbe erklärten Höhlen entdeckt. 

Zwei Reihen paralleler Kerben

Jetzt jedoch gibt ein neuer Fund selbst den erfahrene Archäologen Rätsel auf. Nicholas Conard von der Universität Tübingen und sein Team haben in der Hohle Fels-Höhle eine Mammutrippe gefunden, die 30.000 bis 35.000 Jahre alt ist. Das Besondere an ihr: Das rund 44 Zentimeter lange Fundstück ist von Steinzeit-Menschen bearbeitet worden. An der dickeren Kante der Rippe sind zwei Reihen von Markierungen erkennbar.

Die parallelen Ritzspuren bilden zwei Blöcke von einmal 83 und einmal 90 Kerben. An anderer Stelle weist die Rippe weitere 13 schwächere und längere Einschnitte auf, wie die Forscher berichten. Alle Markierungen sind ihren Angaben nach gut erkennbare, saubere Einschnitte, die mit Sicherheit gezielt platziert wurden. Sie unterscheiden sich in Länge und Tiefe und wurden daher wahrscheinlich nicht in einem Durchgang eingeritzt.


Die Mammutrippe an ihrem Fundort in der Hohle-Fels-Höhle
Die Mammutrippe an ihrem Fundort in der Hohle-Fels-Höhle
Zählmarken, Spielstände oder Kalender?

"Die entscheidende Frage ist nun, welche Funktion dieser Fund besaß", sagt Conard. Denn passende Vergleichsstücke gebe es weder aus Süddeutschland noch aus anderen Regionen der Welt. Die Archäologen vermuten, dass die Steinzeitmenschen mit diesen Ritzmarken etwas zählten. "Wir vermuten stark, dass die Rippe als Informationsträger diente", so Conrad.
 

Aber was wurde gezählt? "Es ist unbekannt, ob es hier um Jagdbeute, Menschen, Tage, Mondzyklen oder etwas anderes ging", so Conard. "Eine Art von Kalender ist zwar naheliegend, aber die Zahlen 83, 90 und 13 ergeben für uns kein klares System." Die Ritzmarken könnten auch Notizstriche von komplizierten Arbeitsschritten oder Spielstände von einem altsteinzeitlichen Spiel sein.

Funktion bleibt rätselhaft 

"Diese Mammutrippe steht in ihrer Interpretation zwischen komplexer symbolischer Bedeutung und einer ganz praktisch orientierten Nutzung im Alltag", sagt Stefanie Kölbl vom Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren (urmu). Doch die genaue Funktion dieses Funds bleibt vorerst rätselhaft. Ideen zur Funktion sind daher durchaus willkommen – sowohl im urmu als auch auf der Facebook-Seite des Museums. "Wir freuen uns darauf, mit unseren Besuchern eine spannende Diskussion darüber zu führen, wofür die Reihen aus 13, 83 und 90 Strichen wohl stehen könnten", so Kölbl.

(Eberhard Karls Universität Tübingen, 27.07.2018 - NPO)


Nota. - Am liebsten wär mir ein Kalender. Doch was immer sonst es wäre: Entscheidend ist, dass das Zählen nicht aus dem Vergleichen von Mengen, sondern aus dem Nach Einander entstanden ist: aus der Anschauung der Zeit - während die Mengen im Raume liegen.
JE


 

Montag, 23. Juli 2018

Der Plasmazustand.

via GIPHY

aus welt.de, 23. 7. 2018

So macht uns Plasma Feuer unterm Hinte
Wenn es Elektronen zu heiß wird, trennen sie sich von ihren Lebensgefährten, den Atomkernen. Was dann passiert, ist ziemlich ungesund, sieht aber spektakulär aus. Wir erklären dir, was es mit dem Plasmazustand auf sich hat.

Von Marko Milovanovic 

Wenn du’s heiß magst, bist du hier ganz richtig. Denn wir kümmern uns um den heißesten Aggregatzustand, den es gibt. Nicht fest, nicht flüssig oder gasförmig, heute geht’s um den Plasmazustand. Der wird neben den ersten drei nämlich oft etwas stiefmütterlich behandelt, obwohl er im Universum eine ganz zentrale Rolle spielt.

Der Aggregatzustand eines Stoffes hängt von seiner Temperatur ab.

Denn je höher die Temperatur, desto mehr bewegen sich die Moleküle. Bei -273,15 Grad Celsius, dem absoluten Nullpunkt, wären sie vollkommen regungslos – egal, um welche Moleküle es sich handelt. Je wärmer es wird, desto mehr Bewegung kommt in die Sache. Ist ein Stoff gasförmig, herrscht bereits ziemlich Betrieb unter den Molekülen. Wird er noch heißer, haben die Elektronen genug und verabschieden sich von ihren Atomen, um die sich vorher alles für sie drehte.

Atomkerne sind positiv geladen, Elektronen negativ. In den Aggregatzuständen fest, flüssig und gasförmig, gleicht sich die Ladung von Atomen und ihren Elektronen aus, sie sind also nicht elektrisch geladen. Nehmen die Elektronen aber Reißaus, ionisieren sich die Atomkerne.
 
Plasma: Vierter Aggregatzustand kmpkt erklärt

Sie sind positiv geladen und bewegen sich unabhängig von den negativ geladenen Elektronen in einem Teilchengemisch: dem Plasma.

Auf der Erde passiert das glücklicherweise nur selten. Denn wenn es passiert, wird’s ungemütlich. Zum Beispiel bei Gewitter. Ein Blitz entsteht durch die elektrisch aufgeladene Atmosphäre. Sichtbar wird Plasma außerdem beim Polarlicht. Das Leuchten entsteht, wenn der Sonnenwind (ein Plasmastrom geladener Teilchen, der von der Sonne ausgestoßen wird) auf die oberen Schichten der Erdatmosphäre trifft. Im Weltall findet man Plasma sehr häufig.
 


Genau genommen bestehen 99 Prozent der sichtbaren Materie im Universum aus Plasma – alles, was von selbst leuchtet.

Schnell weg...
Sterne bestehen aus Plasma, Gaswolken bestehen aus Plasma. Sehen wir vom Mond und erdnahen Planeten wie der Venus ab, die du nachts mit bloßem Auge erkennen kannst, ist alles, was am Nachthimmel leuchtet, Plasma. Das Universum ist also ziemlich geladen.

Deswegen ist es gut, dass uns das Magnetfeld der Erde vor den Plasmaströmen der Sonne schützt, denn es lenkt die geladenen Teilchen von uns weg, die uns ansonsten die Hölle heiß machen würden. Genauer gesagt würden sie die Molekularstruktur deines Körpers zerschießen.

Noch krasser wäre das bei den Plasmaströmen, die ein Schwarzes Loch erzeugt. Du weißt ja, ein Schwarzes Loch hat so viel Masse, dass es alles um sich herum verschluckt, sogar Licht. Um Schwarze Löcher herum, die sich in Zentren von Galaxien befinden, entstehen rotierende Gasscheiben, die sich, je schneller sie werden, immer mehr erhitzen. Die Elektronen trennen sich von den Atomkernen, das Gas lädt sich auf und wird zu Plasma. Durch die Drehung erzeugt es ein Magnetfeld in der Mitte der Scheibe, über das ein Plasmastrom ins All geschleudert wird. Da möchte man lieber nicht im Weg stehen.


© Axel Springer SE.

Samstag, 21. Juli 2018

Der Sitz der Gestaltwahrnehmung.

Viking 1 fotografierte 1976 das Marshochland ­Cydonia Mensae
 aus derStandard.at, 21. 7. 2018

Neurowissenschafter finden Mechanismus der Gestalt- wahrnehmung 
Forscher identifizieren Hirnregion, deren Aktivität entscheidend ist

Graz/Tübingen – Die vielen visuellen Eindrücke, die täglich auf uns einströmen, zwingen unser Gehirn, sich auf die wichtigen Dinge zu konzentrieren: Es analysiert die optischen Informationen, ordnet sie und trifft eine Wahl – etwa ob bei Objekten nicht nur Details, sondern ihre Gesamtheit zu erfassen ist. Es gibt den Eindrücken erst einen "Sinn".

Auf welche Weise es das tut, bietet noch immer viel Platz für Forschungen. Nun hat ein Team des Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN) in Tübingen und dem Institut für Psychologie der Uni Graz überprüft, was im Gehirn bei der Betrachtung von bestimmten Objekten passiert. Dabei zeichnete sich ab, dass bei der Gestaltwahrnehmung vor allem ein Areal im Seitenlappen der Großhirnrinde zuständig ist – der intra-parietale Sulcus (IPS). Ihre Erkenntnisse haben die Neurowissenschafter kürzlich im "Journal of Neuroscience" publiziert.

Versuchsreihe

Um herauszufinden, welche neuronalen Mechanismen bei der Gestaltwahrnehmung eine Rolle spielen, haben die Forscher den Probanden zweideutige visuelle Stimuli gezeigt. Dazu wurden insgesamt drei unterschiedliche bewegte grafische Darstellungen vorgelegt, die jeweils zwei- und dreidimensional gesehen bzw. interpretiert werden können. Parallel dazu wurde mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomo- grafie (fMRT) die Gehirnaktivität der Studienteilnehmer beobachtet.

"Bei allen drei Stimuli fanden wir eine gemeinsame Aktivität im IPS, wobei sie bei der komplexen, dreidimensionalen Interpretation in jedem Fall stärker als bei der einfachen war", berichtete Natalia Zaretskaya, vom Institut für Psychologie der Uni Graz. Die Probanden wurden auch gefragt, für welche Variante sie sich intensiver konzentrieren mussten, um sie zu erkennen. "Es zeigte sich, dass die Aktivität im IPS vom Grad der Konzentration unabhängig ist", hielt die Wissenschafterin fest.

"Da alle drei verschiedenen Stimuli dasselbe Ergebnis liefern, ist dies ein Hinweis darauf, dass das Aktivierungsmuster im IPS einen allgemeingültigen Mechanismus für die Gestaltwahrnehmung darstellen könnte", folgerte Pablo Grassi vom CIN in Tübingen. (APA, red,)

Abstract
Journal of Neuroscience: "A generic mechanism for perceptual organization in the parietal cortex"



Freitag, 20. Juli 2018

Der Fluch der Bibliometrie.


aus Tagesspiegel.de, 19. 7. 2018

Räuberische Fachverlage  
Veröffentlichen um jeden Preis
Tausende deutsche Forscher publizieren in Zeitschriften ohne wissenschaftliche Qualitätsstandards. Das ist vor allem ein Symptom für die zweifelhaften Anreize des Wissenschafts-Systems. Ein Gastbeitrag.
 
von Ulrich Dirnagl

Weltweit reichen Wissenschaftler namhafter Institutionen, auch der Charité, ihre Forschungsarbeiten bei Fachzeitschriften ein, die sich nicht an wissenschaftliche Standards halten. Diese "Raubverlage" lassen die Forschungsergebnisse nicht von Experten prüfen, sondern veröffentlichen – gegen Bezahlung – sogar frei erfundene Studien. Das ergab eine aktuelle Recherche. Sind Wissenschaftler, die in Raubjournalen veröffentlichen, also alle Schummler? Verschaffen sie sich berufliche Vorteile bei der Erteilung akademischer Würden?

Was sind Raubverlage?

Seriöse wissenschaftliche Verlage zeichnet aus, dass sie zur Veröffentlichung eingereichte Forschungsarbeiten durch andere Forscher begutachten lassen. Raubverlage sparen sich dieses aufwändige "Peer Review"-Verfahren und veröffentlichen die Arbeiten kurzfristig und ohne Änderungen auf ihren Websites. Dafür erheben sie eine Gebühr. Das tun allerdings auch einige der renommierten wissenschaftlichen Verlage.

Deshalb ist es für die Forscher nicht immer leicht zu erkennen, ob es sich um einen Raubverlag handelt. So wirken etwa die Emails, in denen sie bei Forschern um einen Aufsatz werben, durchaus seriös. Manche "Fake-Journals" haben eine lange Geschichte, waren einmal renommiert und haben erst später wissenschaftliche Standards über Bord geworfen.

Außerdem tragen die Scheinverlage oft wohlklingende Namen, die an die anerkannten Verlagshäuser erinnern. Die Täuschung geht mitunter sogar so weit, dass sich die Fake-Journals mit den Namen bekannter Forscher, auch von der Charité, schmücken, die als Herausgeber bezeichnet werden, obwohl diese gar nichts von ihrem zweifelhaften Glück wissen – in der Regel wurden sie nicht um Erlaubnis gefragt.

Publish or perish

Das zweifelhafte Geschäftsmodell der Raubverlage kann nur funktionieren, wenn sich für sie auch Kundschaft findet. Warum also lassen sich ordentliche Wissenschaftler auf so etwas ein? Die Erklärung dafür ist recht geradlinig. In der Wissenschaft gilt die Devise "Publish or perish": Wer nicht publiziert, fliegt raus.

Allein aus der Charité werden jährlich über 4000 wissenschaftliche Artikel veröffentlicht, mehr als 600 Promotionen und 50 Habilitationen abgeschlossen. Das liegt (auch) daran, dass die Qualität der Arbeit eines Forschers großteils an der Zahl seiner veröffentlichten Aufsätze gemessen wird. So werden etwa von Wissenschaftlern, die an der Charité die Lehrbefähigung (Habilitation) erlangen wollen, mindestens zehn begutachtete Originalarbeiten als Erst- oder Letztautor verlangt.

Ist das alles Scheinwissenschaft?

Wer sich die Artikel von Charité-Forschern in Raubjournalen im Detail anschaut, stellt fest: Das sind in den allermeisten Fällen korrekt durchgeführte und beschriebene Studien. Wie immer gibt es darunter bessere und schlechtere Arbeiten, wie das auch in der "normalen" biomedizinischen Literatur der Fall ist.

Etwa 70 Arbeiten aus der Charité, die das Rechercheteam gefunden hat, sind zu einer Zeit in einem Journal veröffentlicht worden, als dieses noch Gutachter konsultierte und einen ansehnlichen Ruf genoss.

Gespräche mit Kollegen, die in "räuberischen" Fachzeitschriften veröffentlichten, zeigen auch: Häufig handelt es sich um Studien, die sie zuvor bei verschiedenen, hochrangigen Journalen eingereicht haben, aber von den Gutachtern abgelehnt wurden. Das passiert häufig und muss nicht heißen, dass eine Arbeit nichts taugt – letztlich könnte man es sogar positiv werten, dass die öffentlich finanzierte Forschung überhaupt veröffentlicht wurde und so anderen Wissenschaftlern und der Allgemeinheit zur Verfügung steht.

Kein makelloses Begutachtungssystem

Außerdem muss man berücksichtigen, dass das "Peer Review" nicht die einzige und auch keine ideale Qualitätskontrolle ist. Oftmals ist es interessengeleitet oder einfach oberflächlich. Mitunter fordern die Gutachter auch zusätzliche Experimente, die von der Forschergruppe dann wegen Geld- oder Personalmangel nicht mehr durchgeführt werden können. Und nicht zu vernachlässigen ist auch, dass die Redakteure oder Gutachter einer angesehenen Fachzeitschrift das Resultat einer Studie einfach nicht spektakulär genug oder gar „negativ“ einstufen und nur aus diesem Grund ablehnen.

Nicht auszuschließen ist allerdings, dass unter den Veröffentlichungen in Raubjournalen auch Betrügerisches zu finden ist. Dies muss nun überprüft und gegebenenfalls sanktioniert werden. Schwarze Schafe, die es in jedem System gibt, müssen gefunden werden. Das löst aber nicht das eigentliche Problem, das durch das Belohnungssystem der Wissenschaft entsteht.

Falsche Anreize: Masse statt Klasse

Raubverlage nutzen ein grundlegendes Problem des akademischen Karriere- und Anreizsystems aus. Wissenschaftler beurteilen sich häufig gegenseitig nach quantitativen, leicht messbaren Größen. Dazu gehört die Anzahl der Veröffentlichungen, das Renommee oder der Rang ("Impact factor") der Zeitschrift, in der sie erschienen sind. Auch die Höhe der eingeworbenen Forschungsgelder wird in der Bewertung berücksichtigt. Doch das sind alles nur indirekte Anhaltspunkte, die nur wenig mit der Qualität der Wissenschaft oder deren gesellschaftlicher Relevanz zu tun haben.

Die Folge des bestehenden Bewertungssystems ist: Es wird zu viel publiziert. Allein im Bereich der Medizin erschienenen im Jahr 2017 fast 1,3 Millionen Forschungsaufsätze. Untersuchungen belegen, dass mehr als 90 Prozent der gesamten Literatur gar nicht gelesen wird. Trotzdem werden etwa die Hälfte mindestens einmal zitiert, häufig also ungelesen.

Kommissionen, die etwa über die Habilitation von Forschern entscheiden sollen, können all diese vielen Publikationen gar nicht mehr überprüfen. Den Inhalt und die Qualität einer Forschungsarbeit zu bewerten, ob sie eine wichtige Frage untersuchte und methodisch gut durchgeführt wurde, dafür hat kaum noch jemand Zeit.

Nur positive Ergebnisse zählen

Studien werden im Wesentlichen danach beurteilt, ob sie ein positives Resultat haben, also nicht nur bereits Bekanntes bestätigen. Ob sie gut gemacht waren und ein verlässliches Ergebnis haben, spielt keine so große Rolle. Deshalb lesen wir auch jeden Tag in der Zeitung über die demnächst bevorstehende Heilung von Alzheimer, Krebs und so weiter, ohne dass diese Versprechen bisher eingelöst worden wären.

Forscher können Studien mit negativen oder unklarem Resultat nur schwer in den vielgelesenen und renommierten Fachblättern platzieren. Auch hierin liegt die Verlockung des Angebots der unseriösen Verlage, denn diese veröffentlichen schließlich alles.

Zudem gibt es deutliche Hinweise darauf, dass mehr als 80 Prozent aller biomedizinischen Forschungsergebnisse schlicht falsch sind. Viele Resultate – durchaus auch jene, die in besonders renommierten Zeitschriften erschienen – konnten andere Wissenschaftler in unabhängigen Experimenten nicht wiederholen. 

Ein Weckruf, um die Ursachen anzugehen 

Das Problem ist nicht beschränkt auf Berlin, es ist kein Skandal um "Scheinwissenschaft" an deutschen Universitäten, sondern sollte ein globaler Weckruf für die Wissenschaftsgemeinschaft sein. Es geht im Grunde gar nicht um Raubverlage, denn diese nutzen nur einen Fehler im System. Auch eine Stigmatisierung derer, welche ordentliche Studien bei Raubverlagen veröffentlicht haben, bringt niemanden weiter.

Zwar ist es wichtig, Forscher aufzuklären, wie Raubverlage zu erkennen und zu meiden sind. Auch dürfen Artikel in dubiosen Journalen nicht auf Lebensläufen in akademischen Verfahren auftauchen. Entscheidend ist aber, die Ursachen des Problems zu bekämpfen.

Das Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIG) hat hierfür bereits vor über einem Jahr eigens das "QUEST-Center für die Transformation der Biomedizinischen Forschung" geschaffen. Es soll die Wissenschaftler an Charité und Max-Delbrück-Centrum dabei unterstützen, qualitativ hochwertig zu forschen. Der Nachwuchs lernt hier etwa, wie robuste und reproduzierbare Forschung funktioniert.

Anreize für eine bessere Wissenschaft

Auch das akademische Anreiz- und Karrieresystem muss sich ändern. An der Charité werden deshalb seit kurzem Bewerber auf Professuren nach qualitativen, qualitätsorientierten Indikatoren befragt. Für die Karriere zählt also nicht mehr nur, wie innovativ die Forschung ist. Auch die wissenschaftliche Sorgfalt oder Transparenz spielt eine Rolle und ob die erarbeiteten Daten aus einer Studie auch anderen Wissenschaftler zugänglich gemacht werden oder ob Patienten in die Planung klinischer Studien einbezogen werden.

Wissenschaftler des BIG bekommen etwa ein Preisgeld in Form eines kleinen Zuschusses zum Forschungsetat, wenn sie auch „negative“ Forschungsergebnisse publizieren – etwa dass eine Behandlung oder ein Diagnoseverfahren nicht funktioniert. Ähnliche Anreize gibt es für Forscher, die Studien anderer Arbeitsgruppen wiederholen und dadurch neue Erkenntnisse validieren.

Berlin hat eine lange Geschichte als Vorreiter in der Gesundheitsforschung. Die Stadt kann diese Rolle leicht verteidigen. Außerdem kann sie sich der weltweiten Bewegung, die biomedizinische Forschung besser und nützlicher machen will, anschließen und sie gestalten. Damit stärkt sie auch das Vertrauen in diesen wichtigen Wissenschaftsbereich.

Ulrich Dirnagl ist Neurologe, Direktor der Experimentellen Neurologie an der Charité Universitätsmedizin Berlin und Gründer des Quest-Center am BIG


Nota. - Wissenschaft ist öffentliches Wissen. Wissenschaft entsteht dadurch, dass alle Wissenschaftler einander eifersüchtig belauern und nur das gelten lassen, was ihrer aller Kritik standgehalten hat. Wirklich alle waren es natürlich nie, doch dass Einsicht und Prüfung allen möglich ist, kann vorläufig reichen. Irrtümer, die durchgerutscht sind, werden mit der Zeit eliminiert.

So war es früher.

Die Klage über unseriöse und irreführende Wissenschaftsjournale wird von Jahr zu Jahr lauter, aber es ändert sich nichts. Der Zerfall der wissenschaftlichen Öffentlichkeit wäre das Ende der Wissenschaften. Ist eine noch größere Gefahr denkbar?
JE





Samstag, 14. Juli 2018

Deine Sprache lenkt deine Wahrnehmung.

aus Die Presse, Wien, 13. 7. 18 -                                                                                                          Die Katze sitzt „auf“ dem Tisch und die Nüsse sind „im“ Korb. Oder? Die deutsche Sprache sensibilisiert auf ganz andere visuelle Informationen als etwa das Koreanische
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Ich seh', ich seh', was du nicht siehst!
Psycholinguistik. Ein interdisziplinäres Forschungsteam der Universität Wien hat herausgefunden, wie sehr unterschiedliche Erstsprachen nicht nur die Wahrnehmung, sondern auch unsere Erinnerung mitprägen können.

Es ist eine alte wissenschaftliche Streitfrage, ob die Sprache und ihre Grammatik auch Auswirkungen auf unseren Blick auf die Welt haben. Die Psycholinguistin Soonja Choi erforscht gemeinsam mit dem Kognitionspsychologen Ulrich Ansorge an der Uni Wien, inwiefern unsere Erstsprache unser Denken, unsere Wahrnehmung und unsere Erinnerung beeinflusst.

Dazu haben sie komplexe Experimente entwickelt und mit Probanden in Korea und Österreich durchgeführt. „Das Koreanische ist sehr unterschiedlich zu Sprachen wie Deutsch oder Englisch“, erklärt Choi. „Deshalb bietet es sich an, die Spezifika der Sprachen anhand ihrer grammatikalischen Unterschiede und Besonderheiten herauszuarbeiten.“

Deutsch trifft Koreanisch

Der Blick der Sprachforscher gilt dabei sprachspezifischen semantischen, also bedeutungsgebenden, Informationen. Beispiele dafür sind die Anordnung von Satzteilen oder die Möglichkeit, mit dem Verb verschiedene Zeitformen auszudrücken. Für ihre Versuche haben sie sich auf zwei markante Unterschiede der beiden Sprachen konzentriert: nämlich darauf, wie Vorfälle oder Geschichten erzählt und Relationen zwischen Objekten ausgedrückt werden. Die gebürtige Koreanerin Choi bringt auch ihre Expertise zum kindlichen Erstspracherwerb ein: „Wie wir Ereignisse nacherzählen und wie wir Objekte im Raum zueinander in Beziehung setzen, lernen Kinder in beiden Sprachen sehr früh, mit zwei, drei beziehungsweise mit drei, dreieinhalb Jahren.“

Sprache ist für sie untrennbar mit dem Menschsein verbunden: „Sie ist unser Hauptcharakteristikum. Daran erkennen wir, wer wir sind, was wir denken und wie wir uns Dingen annähern.“ Im Fall von Objekten passiert diese Annäherung nicht in jeder Sprache gleich: Während das Deutsche die Position von Objekten je nach Geometrie des Referenzobjektes ausdrückt, also ein Apfel liegt „in“ der Schale, „auf“ dem Tisch oder „unter“ dem Baum, gibt es im Koreanischen diese Möglichkeit nicht. Stattdessen lenkt die asiatische Sprache, die von mehr als 78 Millionen Menschen gesprochen wird, durch die grammatikalischen Möglichkeiten die Aufmerksamkeit darauf, ob zwei Objekte lose – wie ein Apfel in einer Schale – oder eng – wie ein Ring auf einem Finger – miteinander verbunden sind.

Mit ihren Versuchen haben Choi und Ansorge nun gezeigt, dass dies in Zusammenhang damit zu stehen scheint, für welche visuellen Informationen von Situationen wir sensibilisiert sind – oder eben nicht.

Grammatik prägt Erinnerung

Trotz aller Unterschiede, die sich in den Experimenten herauskristallisiert haben, will Choi ihre Arbeit jedoch nicht missverstanden wissen. „Alle menschlichen Sprecher haben dieselbe Grundlage, was unsere Wahrnehmung anbelangt“, betont die Linguistin. „Das heißt, die Sprachen sind nicht so verschieden, dass wir nicht miteinander kommunizieren können. Aber wir schauen offenbar doch unterschiedlich auf die Welt.“

Auch der zweite Test, der sich mit dem Nacherzählen und Erinnern von Ereignissen beschäftigte, zeigte deutliche Unterschiede zwischen den koreanischen und den österreichischen Versuchsteilnehmern. Ausgangspunkt waren die grammatikalischen Möglichkeiten, beim Erzählen von Sachverhalten auszudrücken, woher die Information stammt. Im Deutschen bleibt uns nichts anderes übrig, als dies über einen Umweg mit einem „Ich habe gehört, dass“ oder „Ich habe gesehen, dass“ zu formulieren. Das Koreanische kennt dafür, wie das Türkische übrigens auch, eine eigene Satzendung, die zwingend angehängt werden muss.

Choi und Ansorge wollten herausfinden, wie diese Tatsache sich auf die Erinnerung auswirkt. Dazu zeigten sie den Testpersonen 32 Youtube-Videos von verschiedenen Ereignissen oder Menschen wie Reportern, die davon berichteten. Die Probanden mussten das Gesehene und Gehörte nacherzählen und wurden einige Zeit später noch einmal zur Informationsquelle befragt – also dazu, ob sie ein Ereignis lediglich vom Hörensagen kennen oder selbst gesehen hatten.

Es zeigte sich, dass die Koreaner dies viel akkurater als die Österreicher angeben konnten. Choi: „Die Ergebnisse dieses Versuchs legen nahe, dass explizite linguistische Markierungen der Informationsquelle Auswirkungen darauf haben, wie genau wir uns daran erinnern.“

Zweierlei Zeugenaussagen

„Wir stehen noch am Anfang, aber, ja, unsere Tests zeigen, dass die Sprache, die wir sprechen, weitreichende Auswirkungen darauf haben kann, wie wir die Welt wahrnehmen und das Wahrgenommene kategorisieren, aber auch darauf, wie wir uns an unsere Erfahrungen erinnern“, so Choi. Welche Konsequenzen haben diese Erkenntnisse nun für die Praxis? Werfen sie nicht etwa ein anderes Licht auf Zeugenaussagen bei polizeilichen Einvernahmen? Mit Spekulationen, was ihre Forschungsergebnisse für Gerichtsprozesse bedeuten könnten, will sich Choi nicht aufhalten: „Um ernsthaft darüber nachdenken zu können, bräuchte es viel mehr Experimente und Wissen dazu“, sagt sie, räumt aber ein: „Aber natürlich drängen sich diese Gedanken auf.“ [Privat]

 

LEXIKON

Die Psycholinguistik ist ein relativ jungesTeilgebiet der Sprachwissenschaft (Linguistik) und integriert Aspekte der Psychologie. Im Mittelpunkt steht die Erforschung des menschlichen Spracherwerbs, die Repräsentation von Sprache im Gehirn sowie die kognitiven (mentalen) Mechanismen, die es uns ermöglichen, Sprache zu verwenden und zu verstehen.